Pigmente mischen:
Das optimale Equipment

Verschiedene Mineralpuder

Der seidig-mattierende Gesichtspuder, die natürlich wirkende Mineral Foundation, der perfekte Lippenstift und der Lidschatten, der unsere Augen strahlen lässt – sie alle haben in der Regel eins gemeinsam: Ihre Farbe ist das Ergebnis unseres kreativen Spiels mit Pigmenten. Wir mischen sie nach Lust und Laune und mit viel Know How: Deckende Weißpigmente wie Titandioxid, funktionelle Filler für ein weiches Auftragsverhalten und einen natürlichen »Glow«, schimmernde Perlglanzpigmente und farbstarke Mattpigmente. Alle zusammengemischt ergeben im Idealfall genau das Farb- und Auftragsergebnis, das wir uns vorgestellt haben. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen einen Überblick geben, mit welchen Techniken und Gerätschaften Sie Pigmente so mischen können, dass Sie jeweils optimale Ergebnisse erzielen. Dabei unterscheide ich im Wesentlichen 2 Anwendungsszenarien: Das Verarbeiten kleiner Mengen von ca. 1 bis 3 g (z. B. für Eyeshadow, Blush, Lippenstift oder Concealer ) und das Mischen größerer Mengen ab ca. 5 g (wie Mineral Foundation oder Gesichtspuder).

Mischen von Kleinstmengen an Pigmenten

Pigmente für meine Eyeshadows, Lippenstifte und andere Produkte in kleineren Hülsen oder Compacts mische ich klassisch mit der Rückseite eines metallenen Löffels in der Fantaschale. Auch eine größere Glasschale ist gut geeignet. Wichtig sind glatte Wände, damit wir die Kleinstmengen an Pigmenten nicht auch noch in der rauen Wand »verlieren«.

Die Pigmente werden in die Schale eingewogen und dann – mit einem hinzugetropften Binder benetzt – mit der Rückseite des Löffels mehrere Minuten sanft an der Schalenwand verstrichen, bis sie homogen gemischt sind. Der Binder ist eine ölige Mischung aus Jojobaöl und einem geringen Anteil eines niedrigviskosen Öls wie Cetiol® Ultimate oder Lexfeel® Natural in einer Pipettenflasche, sodass er sich tropfenweise dosieren lässt. Jede Mischung profitiert von einem Binder, selbst lose Produkte lassen sich besser auftragen, wenn in die Masse ein wenig Öl eingearbeitet wurde, sodass sie nicht mehr staubt. Mischungen für Lippenstifte mischen sich anschließend homogener mit der Fettmasse.

Die kleinen Alu-Grinder aus China, die ich früher empfohlen habe, nutze ich übrigens gar nicht mehr. Sie eignen sich durchaus für kleinste Mischungen aus reinen Perlglanzpigmenten, aber da ich auch andere Pigmenttypen verwende, musste ich fast immer mit der Fantaschale nacharbeiten. Nun spare ich mir die Reinigung dieser kleinen Billigteile (und nebenbei den zu erwartenden Elektroschrott).


Der folgende Film zeigt Ihnen auf Wunsch, wie ich kleine Mengen an Pigmenten mische und in Puderpfannen presse.

In diesem Video zeige ich, wie Sie in der Fantaschale Pigmente für einen Eyeshadow mischen:

Mischen von Pigmentmengen ab 5 g und mehr

Bei größeren Pigmentmengen kommt die Verarbeitung in einer Fantaschale an ihre Grenzen. Hier bieten sich haushaltsübliche Kaffeemühlen an: Ihr Fassungsvermögen ist ideal für Pigmentemischungen für ca. 5–20 g, und sie arbeiten mit hohen Scherkräften. Das Ergebnis sind absolut homogen gemischte Produkte. Aber Vorsicht: Nicht jede Mühle macht Freude:

In einem meiner Seminare war ganz offenbar ein Geist am Werk: Eine Teilnehmerin mischte einen Gesichtspuder in einer elektrischen Kaffeemühle und hielt mir nach Ende des Vorgangs ratlos den geöffneten Mahlbehälter entgegen: Im Inneren der Kammer befand sich nur ein winziger Puderrest. »Er ist weg«, stellte sie fest, » da kann doch etwas nicht stimmen«.  »Vielleicht haben Sie sich verwogen?« grübelte ich ratlos, und ich schlug ihr vor, die Formulierung noch einmal abzuwiegen. Gesagt – getan. Bei Öffnen der Kammer zeigte sich jedoch das gleiche Bild: Sie war annähernd leer.

Des Rätsels Lösung lag in der Kaffeemühle, deren Mahlbehälter nicht vollkommen dicht war, sondern die winzigen Partikel »fraß«, vermutlich u. a. an der Stelle, an der die Mahlmesser mit dem darunter liegenden Motor verbunden waren. Als wir die Mühle sanft auf den Tisch klopften, rieselte es unten aus ihr heraus – zwei Chargen Gesichtspuder. Die Seminarteilnehmerin war rehabilitiert und ich in der Situation, neue Mühlen kaufen zu müssen.

Ich wusste nun, worauf ich achten musste: Eine Mahlkammer, die möglichst bis zum Rand aus Edelstahl besteht, abnehmbar ist (damit sie sich gut reinigen lässt) und deren Mahlmesser dicht im Boden der Mahlkammer eingelassen sind. Ich wurde fündig: Meine aktuellen Mühlen werden mit 2 Mahlaufsätzen geliefert, die vollständig abnehmbar sind. Vorteil: Man kann direkt hintereinander 2 verschiedene Produkte realisieren. Es handelt sich um eine Kaffee- und Gewürzmühle von Rommelsbacher, das Modell EGK 200.

Ach ja, der Form halber: Nein, ich werbe nicht, ich berichte freiwillig und unabhängig von meinen Erfahrungen. Es gibt keine Verbindung zu dieser Firma, ich erhalte keine Vergünstigungen oder sonstige Zuwendungen, das Gerät ist selbst bezahlt.

Kaffeemühle zum Pigmentmischen aus Edelstahl
Die Kaffee- und Gewürzmühle mit 2 abnehmbaren Mahlbehältern aus Edelstahl, die man übrigens samt Deckel auch in der Spülmaschine reinigen kann. Ich reinige alles immer mit der Hand.
Mahlkammer der Kaffeemühle, aus Edelstahl (Detail)
Hier sieht man die flache Abdeckscheibe, die die Mahlkammer abdichtet, und die Wertigkeit von Material und Verarbeitung.

Die Mahlkammer ist absolut dicht und hat keine direkte Verbindung zum Motor, durch die Partikel hineingeraten könnten. Wenn man die Behältnisse abnimmt, hat man vollen Zugriff auf die Unterseite und würde Verschmutzungen sehen – aber da sind keine. 🙂 Angenehm ist auch, dass das Material eine Reinigung so leicht macht. Mein Fazit nach nun mehreren Monaten Gebrauch: Ein wirklich durchdachtes und hochwertiges Gerät. Wer mag, nimmt den einen Aufsatz für Pigmente und den anderen für die Küche – perfekt!

Wenn Sie eine neue Mühle kaufen und Geld sparen möchten, empfehle ich, eine der Online-Preisvergleichsplattformen zu nutzen. »Geld sparen« meint nicht in erster Linie, ein aktuelles Angebot zu finden, sondern mit Blick auf eine lange Lebensdauer zu kaufen. Die 3 günstigen Vorgänger sind nun 60 Euro teurer Elektroschrott – leider.

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