Kosmetikstifte herstellen

Jumbo Pencils, Lippenstifte, Bronzer und Eyeliner von Olionatura

Meine neuen Jumbo Pencils eröffnen vielfältige Möglichkeiten für Ihre individuellen Make-Up-Ideen. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen zeigen, wie einfach die Herstellung ist – und wie überzeugend die Ergebnisse.

Meine ersten Kosmetikstifte zum Selbstbefüllen habe ich vor vielen Jahren gekauft. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, die eleganten, langen Slim Pencils zu befüllen, legte ich das Thema »Kosmetikstifte« enttäuscht ad acta: Der innere Kanal war viel zu schmal und an den Innenwänden zu uneben, um eine schnell aushärtende Fettmasse durchgehend ohne Hohlraumbildung aufzunehmen. Bis heute wundert mich, dass diese kleinen »Scheißerchen« nach wie vor verkauft werden – nicht wundern tut mich seitdem, dass man so gut wie nie selbstgegossene Slim Pencils in Foren und Blogs sieht. 😉 Breitere Jumbo Pencils sind jedoch eine gute Alternative: Der ca. 7 mm breite Innenkanal lässt sich tatsächlich aus der Hand, ohne weitere Hilfsmittel befüllen. Ich schätze sie aber auch in der Anwendung; sie erlauben ein weiches Konturieren, das ausgesprochen natürlich aussieht.

Das brauchen wir an Rohstoffen:

Rohstoffe für das Gießen der Jumbo Pencils

Abb. 1

  • Rizinusöl
  • Jojobaöl
  • Candelillawachs
  • Carnaubawachs
  • Japanwachs, alternativ Beerenwachs
  • Perlglanzpigmente mit mittlerer bis hoher Deckkraft (für meinen braunen Eyeliner auf dem Foto oben und unten habe ich zwei kombiniert)

Die exakte Formulierung habe ich auf Olionatura.de veröffenlicht. Die Jumbo Pencils und geprüfte kosmetische Pigmente finden Sie hier im Shop.

Das brauchen wir an Zubehör:

Alles, was wir zum Gießen der Kosmetikstifte benötigen

Abb. 2

  • eine Kochplatte (Ceran, nicht Induktion, da wir die Bechergläser direkt auf der Platte erhitzen))
  • ein kleines Becherglas (ideal sind 25-ml-Bechergläser, auf Wunsch die hohe oder niedrige Form; ich bevorzuge die niedrige, weil der »Weg« für die fließende Farbmasse kürzer ist und sie nicht so rasch abkühlt)
  • kleine Schälchen zum Abwiegen der Wachse (die Öle wiege ich immer direkt in das Becherglas ein).
  • 2 Spatel zum Entnehmen der Wachse und Pigmente
  • ein (Braten-)Thermometer zum Umrühren und zur Temperaturkontrolle
  • eine Feinwaage mit 2 Nachkommastellen, die in 0,01-g-Schritten wiegt
  • einen Jumbo Pencil (in einem Glas, einer Tasse o. ä. fixiert)
  • 70%igen Ethanol oder Ispropylalkohol zum Desifizieren des Arbeitsplatzes und der Spatel (hier vor allem, um eine saubere Entnahme der Rohstoffe zu gewährleisten)
  • (toll, wenn vorhanden:) Einmalhandschuhe (die man auch mehrfach benutzen kann)
  • eine Rolle Zellstofftücher

Statt kleiner Bechergläser können Sie auch kleine Edelstahlkännchen nehmen. Warum ich »klein« betone? Bei größeren Behältnissen kann die Farbmasse am Rand aushärten, bevor sie den Stift vollständig füllt; die Wände der kleinen erwärmen sich mit und halten die Masse länger gießfähig.

Worauf wir beim Befüllen achten müssen

Die folgende Grafik zeigt Ihnen, worauf Sie beim Eingießen der Stiftmasse achten müssen. Sie sehen die schwarzen Stifte (mit montierter Endkappe) im Längsschnitt, darin die rot dargestellte Farbmasse:

So werden Jumbo Pencils befüllt.

  1. Nach dem ersten Füllen wird die Masse oben leicht konkav einsinken.
  2. Vorsicht: Wenn wir nicht nachfüllen, wird sich der Trichter immer weiter nach innen ziehen und nach dem Erkalten zu Hohlräumen führen, die den Stift beim Anspitzen leicht brechen lassen.
  3. Abhilfe schafft, den sich bildenden Trichter ein- bis zweimal mit einem weiteren Tropfen der heiß gehaltenen Stiftmasse aufzufüllen, und zwar so, dass …
  4. … die Oberflächenspannung der Masse sich leicht konvex nach oben wölbt. So holen wir am meisten aus der verfügbaren Länge heraus.
  5. Nach dem Spitzen haben wir einen in der Länge leicht gekürzten, aber intakten Kosmetikstift.

Tipps für die Herstellung

Wiegen Sie die Wachse bitte absolut exakt ab. Bei so kleinen Mengen machen auch winzige Abweichungen einen Unterschied in der Härte. Ich trage beim Abwiegen Handschuhe: Sollte eine Wachsmenge nicht 100%ig exakt sein, zerbreche ich ein Wachspellet und gebe dieses Stück für Stück ins Schälchen, bis das Gewicht exakt stimmt. Das Öl wiege ich direkt ins Becherglas ein (meine Flaschen erlauben durch einen Spritzverschluss eine tropfenweise Dosierung), weil zuviel Verlust zu befürchten wäre, wenn man es zunächst in einem Schälchen abwiegt. Geben Sie erst das Rizinusöl ins Glas, dann das Jojobaöl: Letzteres ist dünnflüssiger und lässt sich feiner abwiegen. Sollte Ihnen ein Tropfen Rizinusöl zu viel ins Becherglas gelangen – das ist nicht tragisch –, können Sie dies mit dem Jojobaöl wieder ausgleichen. Nur die Ölmenge insgesamt sollte wieder ganz exakt abgewogen werden. Sie sind unsicher? Nehmen Sie einen sauberen, desinfizierten Löffel zu Hilfe und tropfen das Öl erst auf den Löffel, dann ins Becherglas.

Abwiegen der Wachsmenge für die Kosmetikstifte

Abb. 4: Hier wiege ich das Japanwachs ab. Eine Feinwaage ist für die Herstellung dekorativer Kosmetik unabdingbar.

Ich rühre die Fettmasse im Becherglas mit dem Sensor eines Bratenthermometers, sodass wenig Produktmasse am Stab hängenbleibt und ich die Temperatur über den gesamten Schmelzvorgang kontrollieren kann.

Erhitzen und Aufschmelzen der Stiftmasse zum Befüllen der Jumbo Pencils

Abb. 5: Die Stiftmasse wird direkt auf der Herdplatte stehend unter Rühren aufgeschmolzen. Nach dem Aufschmelzen stelle ich den mit der Farbmasse behafteten und nicht mehr benötigten Sensor in ein bereitstehendes Glas ab. So bleibt die Arbeitsfläche sauber. Sie sehen Glas und Sensor in Abb. 2.

Die Stiftmasse muss sorgfältig aufgeschmolzen werden und benötigt eine Temperatur von ca. 90–95 °C. Bitte achten Sie darauf, wirklich diese Temperatur zu erreichen: Nur dann ist die Masse so niedrigviskos, dass sie sich aus der Hand in einem Ansatz ohne Unterbrechung in die Hülse gießen lässt. Hilfsmittel wie Trichter, Aufziehspritzen usw. führen durch den Oberflächenkontakt zu einem Abkühlen der Masse. Das beste Werkzeug ist Ihre ruhige Hand! Wenn etwas daneben kleckst: Kein Problem, dann wischt man es, kurz bevor die Stifte in den Tiefkühler kommen, wieder ab. Falls es Sie trösten sollte: Ich kleckere regelmäßig. 🙂

Mein Tipp: Befüllen Sie die Stifte von oben, also von der Spitze aus. Der innere Kanal durchläuft den Stift in einer durchgängigen Breite – er ist also oben genauso breit wie am unteren Ende. Der Vorteil des Befüllens von der Spitze aus ist zum einen, dass Sie nicht auf die Tiefe der Endkappe achten müssen, denn diese sitzt bereits fest im Stift und hält die Masse im Inneren fest. Wenn Sie den Stift vom hinteren Ende befüllen, müssen Sie zum einen die Spitze zukleben und zum anderen »fühlen«, wieviel Platz Sie für die Endkappe lassen müssen. Der zweite Grund ist, dass der Innenkanal vom Stiftende aus gesehen eine Bohrung aufweist, die die Wand uneben macht. Wenn Sie den Stift von hinten befüllen, ist die Gefahr größer, dass die Masse ungleichmäßig ins Innere fließt und Leerräume entstehen.

Setzen Sie sich bequem hin, stützen Sie eventuell Ihren Ellenbogen ab, positionieren Sie vor dem Gießen alles so, dass Sie ungehindert arbeiten können. Auch das Becherglas auf der Herdplatte sollte bereits so ausgerichtet sein, dass der Gießrand in die richtige Richtung zeigt und Sie nicht unnötige Zeit verlieren, das Becherglas erst umständlich drehen zu müssen, um gießen zu können. Das sind Kleinigkeiten, aber sie sorgen dafür, dass die Herstellung tatsächlich so kinderleicht ist, wie ich sie Ihnen darstelle. 🙂

Setzen Sie unbedingt die oben in der Grafik beschriebenen Tropfen in den sich bildenden Krater. Halten Sie das kleine Becherglas heiß (ich schalte die Herdplatte auf niedrigste Stufe oder ganz ab und lasse das Becherglas auf ihr stehen), damit der ergänzte Tropfen sich jeweils gut mit der restlichen Masse verbindet, indem er sie wieder leicht anschmilzt.

Kühlen Sie die Stifte schnell herunter: Dies führt zu kleinen Kristallen in der Wachsmasse und eine homogene Struktur. Anspitzen sollten Sie die Stifte direkt nach der Entnahme, dann erreichen Sie eine schöne Spitze. Den letzten Schliff können Sie dieser mit einem Stück Zellstofftaschentuch geben: Die Spitze sanft mit einem Stück Gewebe umfassen und darin sanft drehen, so rundet sie sich sehr schön ab – perfekt, wenn man den Stift verschenken möchte.

20 Minuten im Tiefkühlfach sollten es schon sein. Länger schadet nicht, im Gegenteil lässt sich der Stift noch feiner spitzen, wenn es 30–40 Minuten sind.

… und so können Ihre persönlichen Jumbo Pencils aussehen – das hier sind meine ganz persönlichen Farben: Der Lipliner im Farbton »Sienna«, der Eyeliner in »Aborigine Amber«. Auf dem Beitragsbild oben sehen Sie daneben meinen Bronzer, einen Lidschatten und einen Lippenstift aus meiner ganz privaten Kosmetik-Linie.

Wann setzen Sie ihre Ideen um?

Lipliner und Eyeliner in meinen Jumbo Pencils

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