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Satin Compact Foundation, ein Cream-to-Powder-Produkt

Cream-to-Powder-Produkte

Formulierungs-Regel Nr. 1

In einer guten Cream-to-Powder-Foundation werden n-Alkane und Pflanzenöle so gemischt, dass die Produktbasis ein leichtes, trockenes Hautgefühl erzeugt und gleichzeitig gut aufgetragen und verteilt werden kann.

Die Konsistenz kann durch Buttern, insbesondere jedoch durch Wachse kontrolliert werden. Deutlich schmelzpunkterhöhend wirken Candelillawachs und – ganz besonders ausgeprägt – Carnaubawachs. Beide haben ein sehr gutes Ölbindevermöge bereits in niedrigen Dosierungen. Hier sind Einsatzkonzentrationen von 1–4 % üblich. Wieviel Wachs Sie einplanen, ist u. a. von der Konfektionierung abhängig: In einem kleinen Glastiegel abgefüllt kann die Wachsmenge minimiert werden; gießen Sie die Masse in eine aufklappbare Kosmetikdose, ist eine feste Konsistenz vorteilhaft, die Sie naturgemäß durch einen höheren Anteil an Wachsen erreichen. Ich bevorzuge in meiner Formulierung für den Tiegel 1 % Carnaubawachs und in der Kosmetikdose 2 %, die Textur ist bei Entnahme angenehm weich, sanft schmelzend und dennoch trocken.

Ich habe in meiner eigenen Formulierung nicht auf eine Pflanzenbutter zurückgegriffen, sondern auf hydriertes Rapsöl, als Dermofeel® viscolid palm oil free (INCI Hydrogenated Rapeseed Oil) u. a. bei der Manske GmbH und bei Dragonspice im Handel. Der Vorteil dieses Verdickers ist, dass es das sensorische Profil, also das Hautgefühl der verwendeten Öle nicht verändert, sodass die leichten n-Alkane ihre seidige Haptik nicht verlieren. Mangobutter,  Cupuacubutter und Sheabutter sind selbstverständlich geeignet; hier muss jedoch eventuell die rückfettendere Textur durch Silica, Stärke oder höhere Pigmentanteile aufgefangen werden.

Pflegende Lipide, die das Konzept sinnvoll ergänzen können, sind hydrierte Lecithine wie Emulmetik® 320 oder Phospholipon® 80 H sowie Phytosteryl Macadamiate. Ich würde, falls gewünscht, alle genannten niedrig dosiert, jeweils bis 0,5 % einsetzen. Zwingend notwendig sind sie nicht.

Meine Satin Compact Foundation
im satinierten Glastiegel, 15 ml

Die Pigmente in einem Cream-to-Powder-Produkt

In erster Linie benötigen wir mineralische Pigmente, die einen natürlichen Hautton ergeben: Eisenoxide in den Farben Rot, Ocker und Schwarz (seltener Braun und Ocker sowie Rot) sind die Grundkomponenten; aufgehellt werden sie durch Titandioxid. Diese Mischung verleiht einer Foundation höchstmögliche Deckkraft. Zinkoxid ist ebenfalls ein gut deckendes Weißpigment; es deckt jedoch schlechter als Titandioxid und trocknet die Haut stärker aus. Ideal für eine Cream-to-Powder-Foundation sind z. B. Pigmentmischungen in Hauttönen wie die Pure Minerals.

Funktionelle Füllpigmente können die Haptik und das Auftragsverhalten der Foundation verbessern und durch Verringerung der Deckkraft eine natürlichere Optik bewirken. Pigmente mit einem Soft-Fokus-Effekt streuen das einfallende Licht und bewirken eine sanfte Weichzeichnung der Hauttextur. In meiner Formulierung verwende ich Ronaflair® Extender W. Weitere geeignete Füllpigmente sind Ronaflair® Flawless, das neben einer deutlich weichzeichnenden Wirkung mattierend wirkt (allerdings kaum Deckkraft aufweist), oder mein Mica LL, das mit Lauroyl Lysine beschichtet ist und der Haut einen sanften Glow verleiht.

Pigmente unterscheiden sich u. a. durch ihre Fähigkeit, Öl aufzunehmen. Dies drückt sich in einer Kennziffer aus, die die Menge Öl in Gramm angibt, die von 100 g Pigment absorbiert werden. Titandioxid, Eisenoxide und Filler weisen alle ein spezifisches Absorptionsverhalten auf und prägen im Zusammenhang mit den verwendeten Ölkomponenten die Sensorik, also die durch die Sinne erfahrbaren Eigenschaften des Kosmetikums. Um eine unangenehm ölige Haptik zu verhindern, wird Cream-to-Powder-Produkten gerne Silica hinzugefügt. Zu hohe Anteile an absorbierenden Partikeln führen jedoch dazu, dass auch Hautfette absorbiert werden und sich kleine Schüppchen zeigen, die die Cream-to-Powder-Foundation unschön betont. Hier gilt es daher, die Pigmentmischung optimal auf die Ölmischung im Produkt abzustimmen.
Für Cream-to-Powder-Konzepte nicht geeignet sind mit Carnaubawachs oder Silikonen gecoatete Micas: Sie können keine Fette aufnehmen.

Ihre Foundation wirkt auf die Haut aufgetragen zu hell? Oft reicht eine Spatelspitze an Colorona® Oriental Beige oder Colorona® Imperial Topaz, um einen Hauch natürliche Sonnenbräune zu zaubern. Tipp: Nehmen Sie vorher ein wenig der zu hellen Mischung ab und verwenden Sie sie als Concealer.

Formulierungs-Regel Nr. 2

In einer guten Cream-to-Powder-Foundation befinden sich die Produktbasis (aus Fettstoffen) und die Pigmente in einer ausgewogenen Mischung, die für ein optimales Verhältnis zwischen dem Ölaufnahme-Vermögen der Pigmente (für ein trockenes, nicht öliges Hautgefühl) und Cremigkeit (für einen angenehmen Auftrag) sorgt.

Konservierung von Cream-to-Powder-Produkten

Muss eine wasserfreie Cream-to-Powder-Foundation überhaupt konserviert werden? Auf dem ersten Blick ist man geneigt, dies zu verneinen: Wo kein Wasser ist, können sich Mikroorganismen nicht vermehren. Bei der Entnahme mit den Fingern oder einem Schwämmchen kann jedoch auf Dauer geringfügig Feuchtigkeit ins Produkt oder in den Tiegel gelangen, und Schimmel benötigt nur geringe Wassergehalte, um sogar reine Fettphasen zu durchziehen. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, diesen Produkttyp mikrobiell zu stabilisieren, ist Magnolienextrakt (INCI Magnolia Officinalis Bark Extract, als »Magnolia Extract 98« bei Dragonspice erhältlich). Neben seinen antimikrobiellen Eigenschaften weist dieser pulvrige, fettlösliche Extrakt aus der Rinde des Magnolienbaums zellschützende, antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen auf. Magnolienextrakt wird 0,2%ig dosiert in der Fettphase aufgeschmolzen.

22 comments

  1. Céline Fürst

    Muss ich die Produkte selber herstellen lernen oder kann ich sie auch irgendwo fertig kaufen?

    1. Heike Käser

      Liebe Céline, Du meinst die Cream-to-Powder-Produkte? Die gibt es im Handel, oder man stellt sie selbst her.

  2. Helga Chromy

    Danke Heike für die Fülle an Informationen zur Herstellung 🙂 und natürlich, dass Du dieses Rezept teilst.

    Liebe Grüße
    Helga

    1. Heike Käser

      Liebe Helga, wie schön, Dich zu lesen! Danke für Dein Feedback – ich freue mich über deine Erfahrungen mit dem Konzept! 🙂

  3. Anne Gosewehr

    Ein wunderbarer Beitrag, Heike, sowohl inhaltlich als auch optisch. Eine einzige Verführung zum Nachrühren, der man nur schwer widerstehen kann – und eine Einladung zu eigenen, weiteren Experimenten, z.B. Liquid Foundations oder Concealer 😉

    Liebe Grüße,
    Anne

    1. Heike Käser

      Guten Morgen, liebe Anne,

      Deine Formulierungen werden wunderbar werden, das weiß ich aus eigener Erfahrung. 🙂
      Danke für Dein Feedback,

      liebe Grüße
      Heike

  4. Barbara Lüscher

    Liebe Frau Käser,
    vielen Dank für die wunderbare Anregung, die mich als Neuling ungemein inspiriert, es auch mit der dekorativen Kosmetik zu versuchen.
    Eine Frage ergibt sich aber für mich. Sie schreiben:
    “Ihre Foundation wirkt auf die Haut aufgetragen zu hell? Oft reicht eine Spatelspitze an Colorona® Oriental Beige oder Colorona® Imperial Topaz, um einen Hauch natürliche Sonnenbräune zu zaubern. Tipp: Nehmen Sie vorher ein wenig der zu hellen Mischung ab und verwenden Sie sie als Concealer.”
    Wenn ich die Farbe nach dem ersten Ausprobieren verändern möchte, kann ich dann die gesamte Masse noch einmal aufschmelzen?
    Herzlichst grüßt
    Barbara Lüscher

    1. Liebe Frau Lüscher,

      ja, Sie können die Mischung erneut aufschmelzen. Zu beachten ist nur, dass das Cetiol® Ultimate extrem flüchtig ist. Man muss eventuell nach dem erneuten Aufschmelzen 1, 2 Tropfen dieses Öls ergänzen, um den Verlust »pi mal Daumen« zu kompensieren. 🙂

      Probieren Sie es aus; vor allem die dekorative Kosmetik ist im Prinzip so einfach in sehr guter Qualität zu realisieren und die Rohstoffe zudem lange haltbar, dass man in Ruhe experimentieren kann. Ich verwende bis auf Wimperntusche (das wäre ein neues Projekt) nur noch meine eigene Deko-Linie, und nie war ich zufriedener.

      Herzliche Grüße
      Heike Käser

      1. Olga Heinle

        Hallo Heike,

        werden Sie das Rezept für Ihre Wimperntusche hier auch irgendwann veröffentlichen? Ich habe auch experementiert, aber erfolglos. Die Tusche nach dem Auftagen kann man nicht anfassen, alles bleibt auf den Fingern. Danke im Voraus

        Olga

      2. Liebe Olga,

        veröffentlichen: Ja. Vermutlich aber nicht hier, sondern in einem Buch. 🙂

        Liebe Grüße

        Heike

  5. Britta ter Wint

    Ich habe die Cream-to Powder-Formulierung heute nachgerührt und bin total begeistert. Ein super Rezept, das den Kaufprodukten in nichts nachsteht. Ich persönlich nehme die Pigmentmischung Cashmere vom Olionatura-Shop die ideal zu meinem Hautton passt. Eine Foundation die matt ist und trotzdem nicht austrocknet. Wunderbar.

    1. Heike Käser

      Liebe Frau ter Wint,

      Danke für Ihren Erfahrungsbericht. 🙂 Ich freue mich sehr, dass Ihnen die Formulierung ebenso gut gefällt wie mir.

      Herzliche Grüße und ein schönes, sonniges Wochenende,

      Heike Käser

  6. Karin Rathgeber

    Liebe Frau Käser,

    ich habe es gestern nachgerührt, nachdem ich Ronaflair Extender und das schöne Döschchen bekommen habe.
    Ich habe es mit Squalan gemacht, mit Jojobaöl, mit Cupuacubutter und 0,5 % Phytosteryl Macadamiate.
    Ich nehme immer eine fertige Pigmentmischung hell, hier habe ich lediglich die Anteile (aufgrund meines hellen Hauttones) ausgetauscht. Also entsprechend mehr Ronaflair Extender genommen, der eine wunderbare, ganz leichte Satin-Tönung hat.

    Bislang hatte ich den Concealer aus dem Buch zum leichten Korrigieren verwendet, in ein Döschen abgefüllt, nun wird das mein Lieblingsprodukt.

    Danke schön für die tolle Rezeptur!

  7. Barbara Lüscher

    Liebe Frau Käser,
    nach den ermutigenden Kommentaren haben meine Freundin und ich diese Woche die Cream to Powder Foundation nachgerührt – mit Squalan und Jojobaöl. Dank Ihrer ganz wunderbaren Pigmente haben wir aus Sand, Balance Gold, Imperial Topaz und Oriental Beige überraschend passende Farbtöne herstellen können, obwohl wir sehr unterschiedliche Hauttöne aufweisen. Ein farblich so passendes Produkt mit schönem Glow habe ich noch nie kaufen können.
    Vielen Dank noch einmal für die Inspiration!
    Barbara Lüscher

    P.S.: Auch die Rezepte zur pflegenden Kosmetik, die ich bisher nachgerührt habe, haben alle für mich als Neueinsteiger allle geklappt.

  8. Christine

    Hallo Frau Käser, sehr interessante Beiträge und sehr ausführlich!
    Ich benutze sehr gerne shea Butter und zwar pur als Gesichtscreme. Könnte man in die sheabutter Eisenoxide und Titandioxid mischen und erhält dann eine dem Hautton angepasste bzw getönte etwas deckende Creme? Geht das?

    1. Liebe Christine,

      technisch kann man Pigmente in Sheabutter einarbeiten, sicher. Nur wird dies auf der Haut unerträglich sein – mineralische Pigmente haben »Körper«, sie lösen sich nicht, und diese spürbare Präsenz wird in guten Formulierungen durch die Konzeption der Produktmatrix (also das, was die Pigmente aufnimmt und in Schwebe hält) ausgeglichen. Reine Sheabutter ist ein niedrig spreitendes, stark rückfettendes, salbenartiges Produkt (eine Creme ist immer eine Zubereitung mit Wasser) und daher schlecht geeignet. Produkte mit Pigmenten sind in der Regel einfach zusammengesetzt (das heißt, im Vergleich zu guten Pflegeprodukten benötigt man noch weniger Ingredienzien), aber das Detail liegt in der exakten Komposition aus Stoffen.

      Es ist wie beim Kochen: Man kann sicher alles mischen, aber ob das Ergebnis schmeckt und bekömmlich ist, steht und fällt mit der Kompetenz des Kochs und seinem Wissen um Eigenschaften der Zutaten, ihren Wechselwirkungen und geeigneten Herstellungsverfahren.

      Liebe Grüße
      Heike

  9. Jasmin Korsten

    Liebe Frau Käser, herzlichen Dank für diesen informativen Artikel! Könnte man wohl statt der Pigmentmischung, mikr. Zinkoxid verwenden und hätte somit einen Sonnenschutz für den Alltag? Viele Grüße Jasmin Korsten

    1. Liebe Frau Korsten,

      eine gewissen Sonnenschutz gewinnt man auch durch das Titandioxid. Aber: Sonnenschutzgeeignete Pigmente sind gecoatet (beschichtet), da sie sonst selbst mit UV-Licht reagieren und zu freien Radikalen werden können. Ich würde mich zumindest nicht mit Produkten gezielt in die Sonne legen, die übliches kosmetisches TiO2 oder Zinkoxid enthalten.

      Ich selbst vertrage Zinkoxid nicht, es wirkt auf meine Haut bei längerer Anwendung austrocknend. Daher setze ich es nicht in meiner dekorativen Kosmetik ein, die ich täglich nutze.

      Liebe Grüße

      Heike

  10. Jasmin Korsten

    Liebe Frau Käser, vielen Dank für die schnelle Antwort, trotz Sommerpause! Ich verwende im Moment die Sonnenschutzformulierung aus der neuesten Auflage Ihres Buches. Dort setzen Sie mikr. Zinkoxid als UV-Schutz ein. Darf ich fragen, ob Sie Ihren Sonnenschutz auch selber nach diesem, oder einem ähnlichen Rezept herstellen, oder welches Produkt Sie ansonsten verwenden? Lieben Gruß Jasmin Korsten

    1. Liebe Frau Korsten,

      ich habe mit diesem Zinkoxid gearbeitet und kam gut damit klar. Offen gestanden verlasse ich mich im Urlaub nicht auf selbst hergestellten Sonnenschutz, da der wirkliche LSF nur in einem Labor geprüft werden könnte. Hier greife ich für die 1 oder 2 Wochen im Jahr, wenn es mal in den Süden und an den Strand geht, auf konventionelle Produkte zurück. 🙂 Zuhause reicht Schatten und Kleidung.

      Liebe Grüße
      Heike Käser

  11. Jasmin Korsten

    Vielen Dank, liebe Frau Käser für Ihre Antwort! Ich überlege dann, evtl. im Sommer 4% Zinkoxid in meine Tagespflege einzubauen und es ansonsten wie Sie zu halten. Weiterhin einen erholsamen Urlaub, mit liebem Gruß Jasmin Korsten

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