Basis aus Phospholipiden

Phospholipidbasis von Olionatura®

In meiner eigenen Naturkosmetik arbeite ich mit verschiedenen, selbst konzipierten Rohstoff-Basen. Sie alle sind aus Überlegungen entstanden, die Verarbeitung ihrer Grundsubstanzen zu vereinfachen: Die Barriereschutz-Basis senkt in ihrer Komposition den Schmelzpunkt hochschmelzender, kosmetisch wertvoller Lipidstoffe wie Ceramide III oder Gamma-Oryzanol, in der Aloe-Vera-Basis löst sich das hochkonzentrierte, reine Aloe-Pulver in Glycerin zu einer gut dosierbaren, in ihrer Konsistenz honigartigen Flüssigkeit. Neben diesen Compounds habe ich eine weitere Basis entwickelt, die auf Phospholipiden beruht: Die Phospholipid-Basis.

Die Phospholipid-Basis ist eine der Zubereitungen, die ich in meinem Buch Naturkosmetik selber machen vorstelle. In ihr kombiniere ich ungesättigtes mit gesättigtem Phosphatidylcholin sowie Unverseifbarem aus der Avocado zu einer geschmeidigen Paste, die sich gut dosieren lässt und sowohl als Emulgator wie als Wirkstoff fungiert. Alle Komponenten sind in MCT-Öl dispergiert, einem hochspreitenden pflanzlichen Lipid. Selbstverständlich kann auch ein anderes oxidativ stabiles Öl verwendet werden. Durch ihre spezifische Zusammensetzung fördert diese emulgierende Basis die Penetration enthaltener Wirkstoffe deutlich; ich spüre dies z. B. durch eine stärkere Durchblutung der Haut. Sie kann daher gezielt zur Formulierung wirkstoffbetonter Seren und Gesichtsfluids genutzt werden, die per se keine  oder nur geringe Konsistenzen mitbringen.

Das Konzept hinter diesem Compound ist die Kombination der barrierefluidisierenden und barrierestabilisierenden Wirkung von Phospholipiden, kombiniert mit wasserbindendem, ebenfalls hautbarriereschützendem Unverseifbaren. 5%ig dosiert emulgieren Sie eine Emulsion mit jeweils 1,25 % Phospholipon® 80 H und Natipide® II sowie 1 % Avocadin®. Das Compound hat keine konsistenzbildenden Eigenschaften und ergibt pur eingesetzt fluide Texturen; es empfiehlt sich eine Stabilisierung mit ca. 0,2 % Gelbildner (z. B. Xanthan transparent oder Konjac Mannan). Wer seine barriereschützende Wirkung verstärken möchte, kann die Barriereschutzbasis mit 1–2 % in die Formulierung einplanen.

Eine höhere Viskosität erreichen Sie auf Wunsch mit Fettalkoholen (Cetylalkohol), Wachsestern (Myristylmyristat, Cetylpalmitat) oder 1–2 % eines Partialglycerids (Glycerinstearat); alternativ kombinieren Sie die Phospholipid-Basis mit Emulsan, Glycerinstearat SE, Montanov™ 68, Xyliance oder einem anderen pflanzlichen Emulgator nach Wunsch.

Die Rezeptur der Phospholipidbasis

Sie benötigen für 30 g (diese Menge reicht für ca. 600 g Emulsion):

  • 9,0 g MCT-Öl (Capric/Caprylic Triglyceride)
  • 6,0 g Avocadin®
  • 7,5 g Phospholipon® 80 H
  • 7,5 g Natipide® II (»Lipodermin«)
  • (optional: 1–2 Tropfen Tocopherol, bei Handwärme einrühren)

Herstellung

Schmelzen Sie das Avocadin® im MCT-Öl bei ca. 90–100 °C klar auf. Fügen Sie anschließend das Phospholipon® 80 H unter Rühren hinzu und schmelzen Sie es ganz auf. Zum Schluss wird die Mischung mit Natipide® II (Lipodermin) zu einer homogenen, cremigen Paste gerührt. Ich bewahre die Basis im Kühlschrank auf; sie ist ca. 1 Jahr haltbar.

So sieht die Phospholipid-Basis aus:

Die Phospholipidbasis von Olionatura

Dosierung und Einsatz

Ich dosiere die Basis ca. 4–5 %ig (solo oder mit 1 % eines weiteren Emulgators kombiniert; beachten Sie die Hinweise oben, wenn Sie mehr Konsistenz wünschen). Sie wird bevorzugt in der Fettphase aufgeschmolzen.Selbstverständlich kann die Phospholipidbasis auch niedriger dosiert als Wirkstoff eingeplant werden.

Bitte scheuen Sie sich nicht, Natipide® II zu erhitzen. Der Mythos seiner Temperaturempfindlichkeit hält sich hartnäckig; es kann laut Hersteller problemlos auf 90 °C erhitzt werden. Auch hydriertes Lecithin verträgt kurzzeitiges Erhitzen. Vermeiden Sie punktuell einwirkende höhere Erhitzung (das ist schnell passiert, wenn man das Becherglas direkt auf der Herdplatte erhitzt und einen Moment abgelenkt ist), da sich die Masse sonst bräunlich verfärben kann (die bekannte Maillard-Reaktion)und einen seltsamen Geruch entwickelt.

5%ig dosiert enthält sie jeweils 1,2 % Phospholipon® 80 H und Natipide® II (Lipodermin) sowie 1 % Avocadin®.

Filed under Emulgatoren, Rohstoffe, Tipps aus der Rührpraxis

Ich bin »die Frau hinter Olionatura« und der Rührküche. Seit mehreren Jahren begeistere ich mich für das Herstellen von naturkosmetischen Pflegeprodukten, bemühe mich um neue interessante und sinnvolle Rohstoffe für uns Selbstrührer, entwickle Rezepturen und schreibe – neben Büchern – u. a. in diesem Magazin.

6 Comments

  1. Liebe Heike ich habe schon in der Rührküche über deine Begeisterung zum Haferöl gelesen. Da es ähnlich ist wie Reiskeim- und Arganöl und auch teurer ist, stellt sich mir die Frage, ob es sich lohnt sich dieses Öl zuzulegen. Wäre es da nicht einfach ausreichend mit Samenölen wie Wildrosenöl, Preiselbeeröl und anderen Wirkstoffölen zu arbeiten. Oder sind es tatsächlich die Glyco- und Phospholipide, die dieses Öl so besonders machen?

    Liebe Grüße
    Ina

    • Liebe Ina,

      ich kann Dir nicht sagen, ob es sich lohnt, das Öl zu kaufen. :-) Ich stelle Öle vor, weil sie mich sehr interessieren, weil ich sie liebe, weil ich sie kulinarisch wie kosmetisch intensiv verwende. Das, was ich zu ihnen finde, publiziere ich – und dabei erlaube ich mir auch persönliche Eindrücke weiterzugeben.

      Lohnt sich der Kauf von Hose X oder Pullover Y, obwohl die anderen, die man besitzt, noch einwandfrei sind, wärmen, vor Wind und Wetter schützen? Lohnt sich der Kauf von Kürbis, obwohl Möhren vergleichbare Vitamine, Mineralstoffe, Carotionoide und antioxidativ wirkende Substanzen beinhalten? Manchmal macht auch die Vielfalt Freude.

      Ich empfinde Haferöl (eine Stunde vor der Wäsche aufgetragen) z. B. für meine Haare als optimales Pflegeöl. Brokkolisamenöl konditioniert, Hafersamenöl gibt Fett und bindet Feuchtigkeit – ich empfinde dies so, und ich gehe davon aus, dass die Phospholipide ihren Anteil daran haben. Andere Öle haben bei mir nicht einen vergleichbar guten Eindruck hinterlassen, und so ist dieses Öl zu meinem Liebling in Haarpflegeprodukten avanciert.

      Bei den erhältlichen 10-ml-Fläschchen bietet sich zumindest die Möglichkeit, es mal auszuprobieren, falls man – wie ich – zu denen gehört, die Öle einfach gerne kennenlernen möchten. Andrerseits kann man auch mit Olivenöl glücklich werden … ich denke, das ist tatsächlich etwas, was jeder selbst wissen muss (und das aus meinem Munde, die diesen bequemen Beliebigkeitssatz eigentlich unmöglich findet, da er normalerweise nur ausdrückt, dass man keine Position hat oder nicht genug Bildung, eine zu vertreten). ;-D

      Liebe Grüße
      Heike

  2. Hallo! Welches Öl kann man anstatt des MCT-Öles verwenden? (Davon bekomme ich leider Pickel). Kann ich diese Phospholipidbasis jetzt auch für Gesichtssalben bzw. Balms (zb. mit Beerenwachs und verschiedenen Buttern und Ölen, ohne Wasserphase) verwenden? Dank schon mal LG Sandra

    • Liebe Sandra,

      Deine erste Frage ist im Beitrag beantwortet, daher verweise ich Dich einfach auf diesen zurück. ;-)

      Die Substanzen selbst basieren zum großen Teil auf Fetten, und man kann sie sicher mit anderen Fetten ohne Wasser zu etwas verarbeiten, was man auf die Haut auftragen kann. Die Rohstoffe selbst sind alle hautphysiologisch und kosmetisch sehr wertvoll. Ich habe die Phospholipidbasis bisher nicht ohne Wasser verarbeitet, da ich Produkte ohne Wasser (vor allem sehr wachsige) nicht auf der Haut ertrage. Gedacht ist sie als Emulgator-Compound für O/W-Emulsionen. Offen gestanden kann ich Dir aktuell nicht sagen, ob die Mischung (in dieser speziellen Zusammensetung) ohne Wasser eine für Dich kosmetisch angenehme Textur und Haptik ergibt.

      Liebe Grüße
      Heike

  3. Lotti Jäger Vogel

    Guten Tag Frau Käser

    Ich habe heute die Phospholipid-Basis machen wollen. Es hat leider nicht funktioniert, es ist nur eine krümelige Creme daraus geworden. Ich habe nach Ihren Vorgaben gearbeitet: Ich habe 9g Neutralöl mit 6g Avocadin aufgeschmolzen, bei 90 bis 100 Grad. Dann habe ich 7.5 Phospholipon beigegeben und bei etwa 90 über eine zeitlang geschmolzen bis es klar war. Bei etwa 80 Grad habe ich dann die 7.5 Naptipide II beigegeben. Da ich keinen Stabmixer habe, habe ich es handgerührt, bis es handwarm war. Es wurde länger je krümeliger. Ich habe die Masse dann nochmals auf 80 Grad erwärmt ( Die Barrierebasis musste ich auch zweimal aufwärmen, nach dem 2. Mal war sie ok). ich habe sie gerührt bis sie handwarm war, sie wurde wieder krümelig. Dann habe ich sie ein 3. Mal auf 80 Grad erwärmt. Auch beim 3. Mal ist nichts daraus geworden. Was mache ich falsch? Kann ich die Masse jetzt wegwerfen? Sind die Liposome kaputt? Können Sie mir weiterhelfen? Besten Dank und schöne Grüsse. Lotti Jäger Vogel

    • Liebe Frau Vogel,

      die Masse ist sehr wahrscheinlich einwandfrei, die Komponenten sind alle weitgehend temperaturstabil. War das Avocadin® klar aufgeschmolzen? Es gibt unterschiedliche Produkte auf dem Markt, ich habe mit dem Original gearbeitet. Viele Shops führen mittlerweile ein anderes, im Auftrag eines Zwischenhändlers hergestelltes Produkt, das sich deutlich in der Zusammensetzung unterscheidet (und damit auch in den Eigenschaften anders reagieren kann).

      Dass die Masse ein wenig inhomogen aushärtet, ist möglich, aber sie wird im Einsatz (d. h. wenn man sie in einer Formulierung in der Fettphase aufschmilzt) einen deutlich verringerten Schmelzpunkt haben – das ist ja der Sinn.

      Viel Erfolg und liebe Grüße
      Heike

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.