
Ein fettfreier Emulgator: BergaMuls® ET 1
W Schlagwörter: Bergamuls ET-1, Emulgator
r 03.09.2012
Typische naturkosmetische Emulgatoren basieren in der Regel auf veresterten, pflanzlichen Fettsäuren. Ich habe seit einigen Wochen ein sehr interessantes, völlig neues Produkt zuhause, das einem anderen Prinzip folgt. Es handelt sich um einen rein pflanzlichen Emulgator und Verdicker, der ausschließlich auf Getreide- und Fruchtfasern basiert: BergaMuls® ET1 der Firma Berg+Schmidt GmbH. Der INCI-Name, noch im Beantragungs-Prozess, lautet Fruit and cereal fibres. (Ergänzung vom 02.11: Dieser Vorschlag scheint von den Behörden abgelehnt worden zu sein, momentan kursiert die INCI »Beta-Glucan (and) Pectin«. Seit 4 Wochen habe ich erste Emulsionen im Praxistest und möchte meinen Eindruck mit Ihnen teilen.
BergaMuls® ET 1 liegt als feines, nanopartikelfreies, weißes Pulver vor und ist unkonserviert. Das Produkt ist nach Aussagen des Herstellers kalt- und heiß verarbeitbar, benötigt keine weiteren Konsistenzgeber bzw. Gelbildner und arbeitet im pH-Bereich von 4–9. Mir liegt eine Rahmenrezeptur mit 5 % Urea vor – auch in dieser Hinsicht verspricht BergaMuls® ET 1 ein interessanter Testkandidat zu werden.
Erste Testergebnisse
In meinen ersten Testemulsionen habe ich BergaMuls ET 1 mit 4 % eingesetzt (der Hersteller empfiehlt 1,5–5 %), bewusst mit nur einem Öl (Sonnenblumenöl High Oleic), Sheabutter (eine zweite Probe ist ohne Butter konzipiert), 3 % Glycerin als Hydratisierer und Wasser konzipiert, konserviert mit Rokonsal® BSB-N. Ich habe eine Basisrezeptur mit 25 % Fettphase gewählt; weitere Gelbildner oder andere, stabilisierende Hilfsstoffe sind nicht enthalten. Auf beiden Fotos sieht man die Version mit Öl und Butter; beide sind im Laufe der 4 Wochen noch etwas angedickt und bis jetzt absolut stabil und in der Optik unverändert. Als pH-Wert habe ich 5,5 und 4 gewählt (letzteren unfreiwillig) – ohne Einfluss auf die Stabilität.
Verarbeitung
Die Verarbeitung erwies sich als sehr einfach: Der Emulgator wurde in der Fettphase dispergiert, das Wasser hinzugefügt (die One-Pot-Methode, d. h. Fett- und Wasserphase zusammengeben, dann erst rühren) und beide Phasen 4 Minuten mit der IKA RW-20 bei 2000 rpm homogenisiert; anschließend habe ich die Emulsion sanft kalt gerührt. Ich bin bisher positiv überrascht von der Einfachheit der Verarbeitung, der Optik der Creme und dem angenehmen Hautgefühl. Seit vier Wochen verwende ich tagsüber eine der Testcremes; bisher kann ich keinerlei Irritationen feststellen. Mein erster Eindruck ist: Absolut einsteigertauglich. Auch die Optik überzeugt, wie beide Fotos beweisen: Die Cremes sind homogen, glatt, glänzend. Wer vertraute Verarbeitungsprozesse nutzen möchte, kann natürlich auch unter Rühren die Wasserphase in die Fettphase geben. Die Herstellerfirma praktiziert eine Herstellung von Emulsionen mit ca. 800 rpm und einer anschließenden Homogenisierung bei 9500 rpm, »um Stabilität und Farbe zu verbessern«. Stabmixer, Dremel und andere hochtourige Rührwerkzeuge sind also bestens geeignet.
Konsistenz
In der Konsistenz ist die ohne Sheabutter konzipierte Creme, die ausschließlich auf Ölen basiert, geringfügig niedrigviskoser als ihr Pendant, zeigt jedoch beim Dippen mit der Fingerspitze auf die Oberfläche leichte Peaks (also kleine optische Zipfelchen), die sanft wieder in die glatte Oberfläche zurücksinken, wie folgende 3 Abbildungen zeigen:
Haptik
Die Haptik der Emulsionen ist interessant: Die Cremes tragen sich angenehm auf und ziehen schnell ein. Im Vergleich zu Emulgatoren, die mit Fettalkoholen verestert sind, meine ich, die Öle und Buttern im ersten Augenblick ausgeprägter (sprich: rückfettender) zu spüren (sicher kennen Sie das hingegen ausgeprägt trockene Gefühl von Fettalkoholen auf der Haut, die jede haptische Fettigkeit tilgen), sie sind jedoch nach kurzer Zeit eingezogen und fetten (oder glänzen) in keiner Weise. Die Haut wirkt geschützt, aber nicht unangenehm eingehüllt. Ein großflächiger Auftrag zeigte leichte haptische Schwächen – hier wird die Charakteristik des Produkts (die enthaltenen pflanzlichen Polysaccharide) spürbarer; dies kann jedoch, da bin ich sicher, durch eine angepasste Rezeptur aufgefangen werden. Das Spreitverhalten beider Emulsionen ist gut, und – viele wird es freuen – sie weißeln in keiner Weise.
Ausblick
Es stehen weitere Tests aus: Die Kaltverarbeitung reizt mich sehr, Kombinationen mit Phospholipon® 80 H, mit Zuckerestern, mit kationischen Emulgatoren. Mein Eindruck ist, dass in diesem Produkt sehr viel Potential liegt, auch für den Selbstrührer-Markt. Leider fehlen mir momentan noch einige Detailinformationen; so weiß ich nicht, ob BergaMuls® ET 1 offiziell einen der naturkosmetischen Standards wie BDIH, NaTrue oder ECOCERT erfüllen wird. Immerhin wurde er auf dem BDIH-Workshop »Kosmetikrohstoffe« am 07.05.2012 in Heidelberg präsentiert. Warten wir ab … ich melde mich, sobald ich weitere Tests durchgeführt habe. :-)
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Guten Morgen Heike,
diese Tests sind wirklich spannend und ich verfolge sie mit großem Interesse, da ich ja Probleme mit den meisten Emulgatoren im Gesicht habe. Wenn er hält was er verspricht, wäre er eine tolle alternative zu Emulmetik. Oder vielleicht als KOemulgator für diesen geeignet.
Schön, dass du immer neue Sächelchen für uns findest.
Liebe Grüße
Beate
Liebe Beate,
ich würde ihn als Partner zu einem hydrierten Lecithin sehen (so setze ich ihn gerade ein und bin sehr angetan). Warten wir weitere Erfahrungsberichte ab – Bergamuls® ET-1 ist wirklich »superneu« auf dem Markt, da spielen wir eine wahre Vorreiterrolle mit allen vorhandenen Unwägbarkeiten. ;-)
Liebe Grüße
Heike
Liebe Heike,
verfolge gespannt die Versuche mit dem Neuen.
Ich hoffe dass es Bergamuls ET1 bald im Handel gibt, da ich mir ihn als Stabilisator bei Hydrodispersionsgelen einsetzen möchte.
LG
Edith
Guten Morgen, liebe Edith,
er wird die Hydrodispersionsgele »cremiger« machen, aber das empfinde ich als sehr angenehm.
Ich werde heute Nachmittag mehr wissen, denn ich erwarte hohen Besuch – aus Weyhe in der Nähe von Bremen. ;-)