Der Kräuterhügel
Veröffentlicht am 18.07.2011
Kennen Sie den Beruf der »Kräuterpädagogin«? Ich habe ihn durch eine Frau kennengelernt, die diese wundervolle Berufung in Feldbach in der Südoststeiermark ausübt. »Kräuterpädagogen sind Botschafter der Natur« – mit diesem Satz umschreibt Andrea Bregar ihre vielseitige und faszinierende Tätigkeit. In diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine Frau vorstellen, die Menschen wie Sie und ich und Natur zusammenführt.
Andrea, wie wird man Kräuterpädagogin (bzw. Kräuterpädagoge), was sollte jemand mitbringen, der in diesem Beruf arbeiten möchte?
Kräuterpädagogenlehrgänge werden bei uns in Österreich vom LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut) angeboten. Der Lehrgang lief bei uns über eine Vegetationsperiode, sodass die Pflanzen auch in der Natur vom Frühling bis zum Herbst kennengelernt und beobachtet werden können. Wenn man dann ein ordentliches Herbarium vorlegt, eine mündliche und schriftliche Prüfung positiv ablegt und noch ein Projekt vorstellt, dann bekommt man ein Diplom überreicht und ist Kräuterpädagoge.
Eine bestimmte Liebe zu Pflanzen sollte man schon mitbringen, und auch der Umgang mit Menschen muss einem liegen, da man sich als Kräuterpädagoge ja die Weitergabe des Wissens über Kräuter als Ziel setzt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang Dein persönlicher Weg zur Kräuterpädagogin.
Schon als Kinder haben wir zu Hause mit Pflanzen gekocht, gepanscht, gebastelt und gespielt. Bestimmte Düfte wie Mutterkraut, Eberraute oder schwarze Ribisel erinnern mich heute noch stark an meine Kindheit. Als wir unseren kleinen Bauernhof gekauft haben, legte ich als erstes einen kleinen Garten an, der mit jedem Jahr wuchs, und ich hatte eine Vision vor Augen, in diesem Garten meine Berufung auszuleben. Ich wusste nur noch nicht wie. Wie so oft ergeben sich solche Dinge wie von selbst und Schritt für Schritt. 2005 erfuhr ich vom Beruf „Kräuterpädagoge“. Ich habe mich sofort angemeldet, doch unser zweiter Sohn kam mir dazwischen. Ich wurde auf die Warteliste gesetzt und konnte im Frühjahr 2008 mit der Ausbildung beginnen. Zwei Wochen nach der Prüfung kam schließlich unser dritter Sohn zur Welt – diesmal ging es sich ganz gut aus.
Ich habe dann im darauffolgenden Jahr eine Kursreihe zu verschiedenen Themen zusammengestellt, welche bisher jedes Jahr um ein neues Thema erweitert wurde. Heuer sind es zum Beispiel die Wurzeln. Nächstes Jahr wird ein Kurs zu ätherischen Ölen dazukommen, da ich gerade die Ausbildung zur „Ärztlich geprüften Aromapraktikerin“ absolviere.
Welche Menschen kommen zu Dir und welche Erwartungen bringen sie mit?
Bei meinen Kursen darf ich viele verschiedene Menschen begrüßen und kennenlernen. Einige kommen immer wieder, und es entstanden auch schon schöne Freundschaften daraus.
Auffallend ist, dass relativ wenige Männer teilnehmen ;-) Es kommt aber immer wieder vor, dass sich 1-2 männliche Teilnehmer in die Damenrunden »reinschwindeln«.
Viele Teilnehmer bringen schon ein sehr großes Wissen über Kräuter mit.
Das Schönste an meiner Arbeit ist jedoch zu sehen, dass das Interesse an der Natur sehr stark steigt. Die Menschen freuen sich zu sehen, was man alles selbst kultivieren, sammeln, ernten, verarbeiten, herstellen kann. Die Freude am Selbstgemachten steht den Menschen ins Gesicht geschrieben, und das ist schön zu sehen.
Du bietest Workshops zu verschiedenen Themen und geführte Wanderungen an. Was sagen Dir die Menschen, nachdem sie daran teilgenommen haben? Was gefällt Ihnen am meisten?
Die Kursteilnehmer sind oft überrascht, wie einfach man hochqualitative Produkte selbst herstellen kann. Manche sind nach den Kursen angeregt und motiviert, ihren eigenen Garten weiter auszubauen und mehr Kräuter zu kultivieren, was ich besonders schön finde. In meinem Garten sieht man auch sehr gut, dass nicht jedes Beet perfekt und zu 100 % unkrautfrei sein muss. Das ginge bei mir gar nicht. Ich hab ja auch noch die 3 Kinder, mit denen ich Zeit verbringen möchte. Aber wenn das Gesamtbild passt, dann fällt ein bisschen… ich nenne es jetzt mal „Lockerheit“ … im Garten gar nicht auf. Mein Garten sieht jedes Jahr anders aus, je nachdem, was sich grad gut vermehrt und wo sich die verschiedenen Pflanzen ansiedeln.
Ein nicht ganz geringer Prozentsatz der Teilnehmer kommt aus dem städtischen Gebiet. Diese Menschen genießen die Ruhe und das viele Grün und den Duft und die farbenfrohen Blüten im Garten. Es ist schön zu sehen, wie sich diese Menschen an nur einem Nachmittag vom Alltagstrubel fallen lassen können.
Gibt es Deiner Erfahrung nach Pflanzen, die Menschen besonders faszinieren?
Das Interesse an Wildkräutern im kulinarischen Bereich sowie an Arzneipflanzen ist besonders groß. Bei den Wildkräutern sind die Menschen besonders überrascht darüber, dass man aus den einfachsten Pflanzen wie Löwenzahn und Bärenklau köstlichste Spezialitäten wie Kapern oder Pestos herstellen kann.
Österreich ist sehr aktiv darin, traditionelles Wissen um Pflanzen und ihre Eigenschaften zu wahren. Gibt es Kooperationen zwischen Initiativen, Kräuterpädagogen, Verbänden oder sind es eher einzelne Engagierte, die diese Traditionen pflegen?
Ja, es gibt seit neuestem den Verein der steirischen Kräuterpädagogen »Kräuterland Steiermark«, und es gibt auch eine kleine „private“ Gruppe von Kräuterpädagogen, die sich regelmäßig zu kleinen Wanderungen und zum Erfahrungsaustausch trifft. Auch unter den Kräuterpädagogen gibt es Netzwerke, wo man sich gegenseitig engagiert. Denn jeder hat seine besonderen Themen, über die er gerne spricht und lehrt, und wenn’s mal ums Räuchern geht, dann wäre nicht ich die richtige Ansprechperson, sondern ich würde eine Kollegin als Referentin vorschlagen.
Auch Schulen und Kindergärten arbeiten mit Kräuterpädagogen oft einen ganzen Jahresplan aus. (Auch dafür gibt es Kolleginnen, die das besser machen – ich bin eher in der Erwachsenenbildung in Instituten wie VHS oder Urania tätig.)
Andrea, wenn ich die Bilder Deines Gartens sehe, bin ich regelmäßig fassungslos, weil er so wunderschön ist. Hast Du dort Deine persönlichen »Lieblingsorte«?
Im Moment ist er leider gar nicht so wunderschön, da ich 2 Wochen nicht da war und eine große Hitzewelle schon recht viel verbrannt hat. Außerdem ist gerade Erntezeit und da wird natürlich vieles abgeschnitten. Aber in 3-4 Wochen sieht’s schon wieder anders aus.
Natürlich habe ich meine Lieblingsplatzerl. Das wäre zum einen eine kleine Holzbank neben dem ein riesiger Eibischbuschen steht, welcher die Bank im Laufe des Sommers regelrecht verschluckt. Ich mag es, wenn die weichen Eibischblätter dann meinen Nacken und die Schultern kitzeln.
Auch sitze ich gern auf einem Stein am mediterran gestalteten Kräuterhügel. Links der Salbei, rechts die Immortelle – man fühlt sich wie im Urlaub. Nur wohnt zur Zeit eine große Ringelnatter dort, die mich regelmäßig erschreckt.
Im Frühjahr bin ich am liebsten im Schattengarten. Dort, wo Akeleien, Storchenschnabel, Farne und Veilchen elfenhaft im leichten Wind tanzen, liebt es auch mein Sohn Johannes. Ich muss ihm dann Zaubermärchen von Feen und Elfen vorlesen.
Die Natur und die Pflanzen geben mir Energie und Kraft. Ich verarbeite auch nicht alles zu Hausmitteln – ich denke, mir genügt der Umgang mit den Pflanzen im Garten. Der Duft und die Schönheit der Kräuter, die mich im Garten täglich umgeben, tun schon das ihre.
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In der aktuellen Juli-Ausgabe von »MEIN SCHÖNER GARTEN Spezial« ist eine Reportage über Andrea Bregar und ihren traumhaften Garten veröffentlicht: »Wiesenglück und Kräuterzauber«. Das Heft ist bis September im Handel.
Kontaktdaten
Andrea Bregar
Gossendorf 79
8330 Feldbach
Mailadresse, Telefonnummer und aktuelle Kursangebote finden Sie auf der wunderschön gestalteten und sehr informativen Webseite: www.kraeuterhuegel.at
© Alle Fotografien: Andrea Bregar
6 Kommentare zum Beitrag »Der Kräuterhügel«

Danke für dieses schöne Interview, liebe Heike! Ich habe mir inzwischen schon das “Mein schöner Garten” Heft besorgt- Andreas Garten ist wirklich einmalig…ein Kräuterparadies ohnegleichen, mit soviel Liebe gestaltet…
Ganz liebe Grüße! vrana
ich schäme mich, von einer deutschen erfahren zu müssen, dass es so etwas wie eine kräuterpädagogin in meinem eigenen bundesland gibt – eine halbe Autostunde von mir entfernt! ;)
danke heike, das interview und die fotos waren ein genuss….
lg
juliana/ladystardust
Andrea hat mich bei ihren VHS-Kursen mit dem Kräutervirus infiziert, erst heute habe ich wieder ein Ringelblumenöl für die Salben angesetzt! Danke für die tollen Anregungen!
Hallo liebe Frau Käser,
vielen Dank für das tolle Interview und die Info mit dem Bericht in dem Heft “Mein schöner Garten spezial”, daß ich mir nächste Woche gleich noch besorgen muß.
Ihre Infos und artikel sind wirklich immer sehr interessant und informativ.
Liebe Grüße
S.Schauer
Sehr schöner Bericht. Da ich meinen “Garten” (ca. 25qm²) neu anlegen muss, habe ich mit dieses Heft gerade gekauft und werde mich inspirieren lassen. Zum Glück habe ich eine “helping hand” dabei, denn ich bin gärtnerisch total unbegabt.
Erste Ernteerfolge werden sofort gepostet.
[...] einem meiner letzten Beiträge durfte ich Andrea Bregar als Kräuterpädagogin vorstellen; heute obliegt mir die Ehre, sie als diplomierte Aromapraktikerin zu begrüßen. Liebe [...]