20.03.

Rosen, Rosen, Rosen …

Veröffentlicht am 20.03.2011

Ich weiß, dass meine Liebe zu dem Duft und zum Öl durchaus etwas »Gewöhnliches« hat – gewöhnlich insofern, dass viele Menschen meine positiven Assoziationen teilen. Tatsächlich inspirieren mich Rosen immer wieder zu neuen Rezepturideen. Die Creme, die ich vorstelle, ist eine schützende Formulierung, die ganz auf Rosen setzt: natives, goldorangenes Wildrosenöl, duftendes Rosenwachs und das ätherische Öl der Damaszener Rose treffen auf einen Centella-Auszug in Arganöl und nussige Sheabutter. Konzipiert habe ich sie für mein aktuelles Buch, an dem ich arbeite – aber auf Wunsch einiger meiner Leserinnen möchte ich sie schon jetzt mit Ihnen teilen.

Die Rosencreme ist eine Öl-in-Wasser-Emulsion mit knapp 30 % Fettphase, deren Konsistenz wesentlich durch das Herstellungsverfahren und die darin verwendete Barriereschutzbasis geprägt wird, in der hochschmelzende und konsistenzgebende Lipide enthalten sind. Sie ist, hochtourig und im Original nacharbeitet, eine »echte« Creme. Ich empfehle Ihnen daher die Arbeit mit einem Stabmixer oder einem Dremel. Die Creme, die Sie auf dem Foto sehen, wurde mit einem Ultra-Turrax® T 18 emulgiert (eine Minute mit ca. 11.000 rpm), anschließend weitere 2 Minuten mit ca. 2000 rpm und dann mit ca. 250–300 rpm kaltgerührt.

Ich habe die Rosencreme, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit, in kleinen Tiegeln abgefüllt: jeweils 10 g stehen in meinem Badezimmer, die anderen Tiegel warten im Kühlschrank auf ihren Einsatz. Sie sollten die Creme dennoch optimal mit einem sauberen Spatel entnehmen.

Geeignet ist diese Creme insbesondere für trockene und reife Haut; das hydrierte Lecithin wirkt zart einhüllend und schützt vor Umwelteinflüssen, Ceramide erfüllen ihre hydratisierenden und barriere-regenerierenden Eigenschaften vor allem da, wo wirklich ein Defizit besteht. Durch den Gehalt an oxidativ empfindlichen Wildrosenöl empfehle ich die Rosencreme eher als Nachtpflege oder – wundervoll – als beruhigende und befeuchtende Gesichtspackung: messerrückendick aufs Gesicht auftragen (Augen- und Mundpartie aussparen), 10 Minuten entspannt einwirken lassen, mit einem feuchten, warmen Tuch abnehmen.

Rosencreme (50 g)

INCI: Aqua, Argania Spinosa Kernel Oil, Simmondsia Chinensis (Jojoba) Seed Oil, Butyrospermum Parkii (Shea) Butter, Rosa mosqueta (Rose) Hip Oil, Glycerin, Hydrogenated Lecithin,
Rosa Damascena Flower Cera, Caprylic/Capric Triglyceride, Persea Gratissima (Avocado) Oil and Persea Gratissima Avocado Oil Unsaponifiables, Xanthan Gum, Benzyl Alcohol, Benzoic acid, Sorbic acid, Ceramide, Ascorbyl Palmitate, Oryzanol, Rosa damascena

Phase A

  • 2,5 g Jojobaöl
  • 0,5 g Rosenwachs
  • 1,0 g Barriereschutzbasis

Alle Bestandteile bei ca. 90 °C klar aufschmelzen, vom Herd nehmen,

  • 4,0 g Arganöl (Centella-Auszug)
  • 2,5 g Sheabutter (subspecies paradoxa)

zur Fettphase geben und darin klar aufschmelzen.

Phase B

  • 30,0 g Wasser
  • 1,5 g hydriertes Lecithin (Emulmetik® 320)

Emulmetik® 320 in heißem Wasser einrühren, ca. 20 Minuten bei 70–80 °C quellen lassen (mit etwas Folie abdecken, damit nicht zuviel Wasser verdunstet). Hin und wieder umrühren.

Phase C

  • 2,5 g pflanzliches Glycerin
  • 0,1 g Xanthan transparent oder Natrosol® 250 HX
  • 1,0 g Tocopherol
  • 2,5 g Wildrosenöl

in einem kleinen Becherglas zusammengeben und gut verrühren, beiseite stellen.

Phase A und B zusammengeben und ca. 1–2 Minuten hochtourig dispergieren, anschließend moderat auf Handwärme rühren.

Bei Handwärme Phase C zu Phase A/B geben und homogen einarbeiten. Emulsion sanft kalt rühren.

Phase D

  • 0,5 g Rokonsalâ„¢ BSB-N
  • Milchsäure 80%ig q. s. (quantum satis = soviel wie notwendig)

Abschließend mit Rokonsal™ BSB-N konservieren, den pH-Wert kontrollieren und bei Bedarf mit Milchsäure auf pH 5–5,4 einstellen.

Schließlich wird die Emulsion nach Wunsch beduftet; ich verwende auf 50 g Emulsion in der Regel 1–2 Tropfen.

Hinweise zur Rezeptur

Die Barriereschutzbasis ist eine Mischung aus Ceramiden III, Unverseifbarem der Avocado, Gamma-Oryzanol und Ascorbylpalmitat, in einem stabilen Öl aufgeschmolzen. Sie können statt dieser Basis reines Avocadin® nehmen (das ist das Unverseifbare der Avocado) oder Lanolin oder eine Basis mit den Bestandteilen, die Sie zuhause haben.

Emulmetik® 320 kann alternativ in der Fettphase aufgeschmolzen werden; hier würde ich es mit Arganöl und Sheabutter zusammen in die aufgeschmolzende Mischung aus Barriereschutzbasis, Jojobaöl und Rosenwachs einrühren. Es ist nicht mit anderen Emulgatoren ersetzbar, sondern prägt entscheidend mein Konzept.

Statt Glycerin sind andere Hydratisierer oder eine Mischung aus ihnen sinnvoll, ganz wie Sie es mögen: Natriumlaktat, Sodium PCA, Urea bieten sich an.

Die Konservierung ist variabel; nehmen Sie statt Rokonsal BSB-N z. B. die gleiche Menge Naticide® oder Biokons Plus.

Schön ist natürlich, wenn Sie ein eigenes Pflanzenmazerat einsetzen; ich liebe meine Centella-Auszüge und verwende am liebsten natives Arganöl, weil es trotz seines hohen Linolsäuregehalts verhältnismäßig stabil ist. Nehmen Sie auf Wunsch ein anderes Mazerat oder ein Lieblingsöl aus der Gruppe B-1 oder (noch schöner) B-2.
Statt Jojobaöl eignen sich hervorragend Baobaböl, Wiesenschaumkrautöl (Meadowfoam Oil) oder Marulaöl, also oxidationsstabile Öle.

Ein Hinweis ist mir wichtig: es ist möglich, dass die Formulierung niedrigviskoser wird, wenn die Scherkräfte in der ersten Phase des Emulgierens nicht hochtourig genug sind oder Sie auf die Barriereschutzbasis verzichten, da beide Faktoren konsistenzbildend wirken. Ich habe die Rezeptur in kleinen Abwandlungen gerührt (ohne Barriereschutzbasis) und kreierte wundervolle Cremefluids, nicht weniger pflegend, aber eben nicht cremig. Der Wirkung tut dies keinen Abbruch.


9 Kommentare zum Beitrag »Rosen, Rosen, Rosen …«

  • Anni sagt:

    “Konzipiert habe ich sie für mein aktuelles Buch, an dem ich arbeite (…)”
    *jubel* Das bisherige Buch ist schon fast zu meiner Bibel geworden ;)
    Was für eine Art Buch wird es denn? Ich freu mich jetzt schon drauf.

    • Heike sagt:

      Hallo Anni,

      es wird das »Handbuch der Naturkosmetik«: Grundlagen, Herstellungsverfahren, praxiserprobte Konzepte zur Erstellung eigener Naturkosmetik und Rezepturen. Ich freue mich drauf (es wird aber eher die Leipziger als die Frankfurter Buchmesse werden). :-)

      Liebe Grüße
      Heike

      • Elisabeth sagt:

        Leipziger Buchmesse? Heißt das, dass wir noch ein ganzes Jahr auf die olionatura-Bibel Nr. 2 warten müssen? Oder irre ich mich beim Messetermin? – Ich freu mich jedenfalls schon auf dein nächstes Werk, Heike, und hoffe, dass es doch etwas früher erscheint…
        lg
        Elisabeth

      • Heike sagt:

        Liebe Elisabeth,

        ja, erst im nächsten Frühjahr, ich brauche die Zeit. Es soll gut werden. :-)
        Ich war noch nie in Leipzig, das ist DIE Gelegenheit!

        Liebe Grüße
        Heike

  • Della sagt:

    Oh, wie schön, das neue Konzept ist da!!!

    Es hat mir ja schon in der Andeutung keine Ruhe gelassen, nun hab ich es (ich hab ja doch ein ganz anderes Hautbild) über den Haufen geworfen und nur die emulsionstechnischen Grundlagen beibehalten: 3% hydrierte Lecithine, 1% Wachs, die Barriereschutzbasis die ja allein wegen des Ascorbylpalmitat verdickend ist. Meine Fettphase ist Linoläurebetont und liegt bei 20% – was soll ich sagen, es ist (Mit Zauberstab) ein so dickflüssiges Cremefluid geworden, dass ich sicher bin, bis morgen kann ich “Creme” zu ihm sagen. Gespannt bin ich jetzt auf die Reaktion meiner Haut, die Emulmetik bisher nur in 1%iger Einsatzkonzentration kennt (und mag).

    Ganz original nachgerührt wird diese Creme dann bald für meine Mutter :-)

    Ganz vielen Dank für die tolle Anregung!

    • Heike sagt:

      Hallo, liebe Della,

      wenn es als tägliche Pflege nicht optimal ist – versuche sie als Packung. :-)

      Ich drücke Dich,
      Heike

  • fli sagt:

    Das mit dem Buch interessiert mich auch. ich werde mir das erste Buch jedenfalls jetzt zum Geburtstag wünschen:)

  • Martina sagt:

    Liebe Heike!
    Vielen Dank für das tolle Rezept.
    Immer neue Ideen.Toll.
    Danke auch,dass Du alles veröffentlichst.
    Ich hab jetzt auch Ceramide bekommen.
    Von einem Kindergartenvater,er ist Chemiker und total nett.
    Ich gehe damit um als hätte ich Gold… grins…
    Weist Du wann Tego Care PSC 3 in den Handel kommt?
    Liebe Grüsse Martina.

    • Heike sagt:

      Guten Morgen, Martina,

      noch testen wir ihn … und dann wird ein Shop entscheiden, ob er ihn aufnimmt. :-)

      Liebe Grüße
      Heike

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