Interview: Vera Alexides von aleXmo cosmetics

Vera Alexides, aleXmo cosmetics

Wer seine Naturkosmetik selber herstellt und Olionatura liest, wird aleXmo cosmetics kennen: neben Mineral Make Up, Pinseln und Dosen bietet der klar und ästhetisch gestaltete Onlineshop vor allem eine Auswahl an kosmetischen Rohstoffen, die sich wohltuend vom üblichen Hobbythek-Sortiment abheben: Emulprot®, TEGO® MM, Dermofeel® sensolv, Tego® Care CG 90 oder TEGO® Amid S 18 bereichern die Produktpalette moderner Selbstrührer. Die Mitglieder der Rührküche sparen im geschützten Forenbereich, in dem (fair, aber offen) Erfahrungen mit Shops ausgetauscht werden, nicht mit Lob: schneller Versand, Zuverlässigkeit und Kundenfreundlichkeit sind Attribute, die diesem Shop einhellig attestiert werden.

Hinter aleXmo cosmetics stecken zwei kreative Frauen aus Weyhe bei Bremen: Vera Alexides und Katja Moritz. Mein persönlicher Austausch mit Vera Alexides – per Mail und per Telefon – weckten mein Interesse über unseren rein fachlichen Austausch hinaus, und so entstand die Idee eines Interviews mit einer warmherzigen und energiegeladenen Frau, die ihre Kosmetik seit vielen Jahren selber herstellt, daraus einen Beruf gemacht hat und … ja, mehr möchte ich an dieser Stelle noch nicht verraten. Vera, ich freue mich, dass Du dem Interview zugestimmt hast, herzlichen Dank dafür!

Ich als Kundin profitiere von Eurer Offenheit für die ein oder andere Rohstoff-Innovation. Wie kommt man zu der Idee, einen Shop (u. a.) mit kosmetischen Rohstoffen aufzubauen?

Ich wollte alle Rohstoffe, die es für Selbstrührer am Markt gab, für mich und meine Kosmetik ausprobieren. Ich war noch in der Testphase verschiedener Formulierungen. Da die Preise in größeren Gebinden deutlich günstiger waren, dachte ich so bei mir: »Na gut, dann kaufe ich große Mengen und verkaufe die Ware dann online«. So, wie meine Anbieter das auch machten. Nach dem Motto: Das kann ich auch!

Allerdings war mir von vorneherein klar, dass ich diese Idee nicht alleine mit Leben füllen kann. Zum Glück hatte ich Katja Moritz schon angefixt, sie selbst war mittlerweile begeisterte Rührerin, und so war es nicht schwer, sie von meiner Idee zu überzeugen.

Es war dann doch nicht ganz so einfach. Aber wir beide hatten so viel Schwung, dass wir nicht zu bremsen waren. Rückschläge gab es genug. Allein unsere Shop-Seite hat uns viel Nerven und Geld gekostet. So wie sie sich heute präsentiert, hat Katja sie allein gestaltet. Sie hat sich so über unseren damaligen Webdesigner geärgert, dass sie sich alles Nötige angeeignet hat, sogar HTML! Auch das komplette Office-Management fällt in ihre Hände. Wir gestalten immer noch alles selber: Von unserer Visitenkarte über Flyer, Etiketten und so weiter.

Ich wollte Rohstoffe haben, die in der Fertigkosmetik immer sooo angepriesen werden. Und ich wollte kleine Dinge, die mir als Kundin anderer Shops nicht so gut gefielen, in unserem Versandhandel auch gleich ändern. Wir benutzen z. B. Druckverschlussbeutel für Pellets und Co anstatt die Tüten zu verschweißen, oder nehmen die etwas teureren Spritzverschlüsse. Wer einmal mit etwas zuviel Schwung die Ölflasche gekippt hat, weiß, was ich meine.

Kunden stellen sich vermutlich die Hinzunahme eines neuen Produkts recht einfach vor. Was sind alltägliche Hürden in der Pflege oder Erweiterung des Sortiments?

Man muss ständig auf dem Laufenden sein. Gerade in der Naturkosmetik tut sich nämlich sehr viel. Daher stöbern wir ständig in Fachzeitschriften oder dem Internet ( gerne auf Deiner Seite) nach Innovationen. Sind wir dann auf einen neuen Rohstoff aufmerksam geworden, der unsere Ansprüche erfüllt (BDIH, ecozertifiziert etc.), treten wir mit der Firma in Kontakt. Ich habe da schon ganz tolle Gespräche geführt. Manchmal bin ich immer noch erstaunt, wie viel Zeit und Mühe man sich mit mir und meinen Fragen gibt.

Leider liefern viele Firmen nur in so großen Gebinden, dass sie für uns nicht mehr in Frage kommen. Teilweise sind die Preise der Rohstoffe auch exorbitant hoch.

Wir legen sehr viel Wert auf frische Ware. Daher verzichten wir oft auf Rohstoffe, die in zu großen Mindestabnahmemengen angeboten werden. Dann lieber kleine Mengen und leider deutlich teurer einkaufen, anstatt viel und günstig. Wir wollen Topqualität anbieten und keine Lagerware kurz vor dem Verfallsdatum. Und wir sind ziemlich mutig und daher auch schon mal »auf die Nase gefallen«. Dann gehen die Ladenhüter leider in die Tonne.

Vera, Du stellst Deine Kosmetik u. a. auch selbst her. Was ist Dir für Deine eigene Kosmetik wichtig?

Ich will mich wohl in meiner Haut fühlen. Das kann ich erst, seit ich konsequent alles frisch anrühre. Ich finde es schön, wenn ich beim fertigen Produkt teilweise die einzelnen Rohstoffe noch riechen kann. Auch dass ich meine Pflege auf die momentanen Bedürfnisse meiner Haut einstellen kann, gefällt mir. Ich weiß, was drin ist! Kenne die Qualität der Inhaltsstoffe. Mit meiner Nahrung verfahre ich, soweit es mir überhaupt möglich ist, seit ein paar Jahren genauso. Drollig: über gesunde Hautpflege zur gesunden Ernährung!

Neben dem Shop ist Dein Kosmetikstudio ein Schwerpunkt Deiner Arbeit. Inwieweit kannst Du Deine Kenntnisse der Herstellung von Naturkosmetik dort einbringen?

Hier fing alles an. Da ich nicht mehr bereit war, Unsummen für ein Kosmetik-Depot auszugeben, suchte ich nach Alternativen. Die Kosmetikerin lebt in erster Linie vom Verkauf der Kosmetikprodukte und nicht von Behandlungen. Ich wollte aber keine nervigen Verkaufsgespräche vor, während oder nach einer Behandlung führen. Ich wollte Ruhe und Entspannung anbieten.

Dann fing ich an, mich mit den INCI der angebotenen Kosmetikprodukte zu befassen … und wusste auf einmal, dass ich so etwas überhaupt nicht wollte. Ich beschaffte mir Lektüre über INCI und fing an zu lernen. Es ist für mich heute immer noch erschreckend festzustellen, mit welchen Chemikalien die Fertigkosmetik teilweise angereichert ist (fast so wie unsere Lebensmittel).

Nun hatte ich »Blut geleckt« und wollte unbedingt meine eigene Kosmetikserie herstellen. Sehr schnell musste ich feststellen, dass das nicht so einfach ist, wie ich mir das vorgestellt habe. Es wurden endlose Telefonate geführt; ich wurde sogar an das Veterinäramt verwiesen! Kosmetik aus eigener Herstellung darf nicht einfach so frei im Handel verkauft werden. Jede Creme enthält Wasser! Und Wasser ist Leben! Das kann man rasch feststellen, wenn man mal nicht so sorgfältig gearbeitet hat und die Lieblingscreme auf einmal ein kleines grünes »Mützchen« trägt.

Aber irgendwie war an Aufgeben nicht mehr zu denken. Ich hatte die ersten Cremes gerührt und war begeistert. Dann folgten die ersten zaghaften Versuche, die Cremes im Bekanntenkreis anzubieten. An meine Kunden traute ich mich erst viel später heran. Und diese Kunden waren es dann, die mich in meinem Vorhaben bestärkt haben weiterzumachen. Sie müssen auch heute noch als »Versuchskaninchen« herhalten. Sobald ich in meiner Hexenküche wieder kreativ geworden bin, gehe ich meine Kartei durch und picke mir die passenden »Opfer« heraus. Und das Schönste daran ist, dass meine Damen mir absolut vertrauen! So kann ich neue Wirkstoffe oder einfach nur neue Formulierungen wunderbar an verschiedenen Hauttypen ausprobieren.

Gerade neue Kunden, die zu mir kommen, sind nach kurzer Zeit einfach überzeugt von meiner Ware. Viele anfängliche Hautprobleme gibt es nach ein paar Wochen nicht mehr. Die Haut ist im Gleichgewicht, und ich passe jede Pflege den momentanen Bedürfnissen an.

Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, dass ich peinlich genau auf die Hygiene achte und wirklich jedes einzelne Produkt erst nach der Bestellung frisch herstelle. Auf Vorrat wird nichts gerührt. Das war am Anfang für meine Kunden eine Umstellung, aber nach so langer Zeit klappt es wunderbar. Mein Lieblingsargument, wenn mir neue Kunden von ihrer Fertigkosmetik erzählen: »Auf Ihren Salat kommt das beste Olivenöl »extra Virgin«, nicht wahr? Und auf Ihre Haut ein Abfallprodukt der Rohölgewinnung! Fällt Ihnen etwas auf?«

Du hast mir einmal erzählt, dass Du neben Deiner Arbeit bei DKMS Life mitarbeitest. Kannst Du uns etwas mehr darüber berichten? Wie kam es dazu?

Von der DKMS life habe ich in einer Zeitschrift gelesen. Diese ehrenamtliche Arbeit hat mich einfach angesprochen. So habe ich mich dort beworben und bin nun auch schon seit fast 3 Jahren als Kosmetikexpertin tätig.

Jährlich erkranken in Deutschland 190.000 Frauen an Krebs, und die Behandlung mit Chemo- oder Strahlentherapie hinterlässt, wenn auch vorübergehende, Veränderungen des Aussehens. Hier setzt die DKMS life mit ihrem Kosmetikprogramm für krebskranke Frauen an. Das Motto lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Sich wohl fühlen durch gutes Aussehen. Zeigen, wie man mit einfachen Tricks Augenbrauen zaubern kann oder den Lidstrich ausprobieren. Die Damen erhalten eine große Kosmetiktasche, gefüllt mit allem, was sie brauchen. Von der Pflege bis zum Make-up. Selbstverständlich kostenlos, da namenhafte Kosmetikfirmen diese Seminare mit Sach- und Geldspenden finanzieren.

Diese Arbeit macht mir sehr viel Freude und gibt mir sehr viel zurück. Wir haben immer viel Spaß, und zu sehen, wie diese starken Frauen nach 1½ Stunden nett geschminkt und fröhlich wieder nach Hause gehen, macht mich glücklich. Jedes Mal! Einfach so!

Meine letzte Frage: woher kennst Du Olionatura?

Mein Gott, Heike! Ganz am Anfang unserer Shopzeit habe ich noch Workshop für Rühranfänger gegeben. Nach meinem ersten Nachmittag nahm Katja mich zur Seite und meinte: »Vera, Du erschlägst die Frauen mit Deinem Fachwissen. Geht es nicht auch einfacher? Nach 30 Minuten waren die ja überhaupt nicht mehr aufnahmefähig!« Einfacher? Aber es gibt doch soviel über die einzelnen Öle, Emulgatoren etc. zu erzählen!

Also habe ich mich im Internet auf die Suche nach Beschreibungen für kosmetische Rohstoffe gemacht. Und auf einmal war sie da!! OLIONATURA.DE Ich dachte nur, das gibt es doch gar nicht. Warum habe ich diese fantastische Seite nicht schon viel früher gefunden? Was habe ich alles für unbegreiflichen Mist lesen müssen. Und dann diese klaren, sachlichen und doch alles erklärenden Aussagen. Dafür drücke ich Dich heute noch an mein Herz, liebe Heike!!

Der nächste Workshop verlief viel besser. Alle blieben wach bis zum Schluss. Erst später habe ich festgestellt, dass ich so ziemlich mit die Erste war, die auf deine Seite gestoßen war. Sommer 2006, gell?

Herbst 2006, ja, Ende Oktober.

Heute bist Du meine erste Anlaufstelle, wenn es darum geht, neue Rohstoffe in den Shop aufzunehmen. Du und Deine Mittester arbeiten so akribisch, dass es eine Freude ist, euch zuzusehen. Gerne schicke ich den Link der sprechenden Testreihen an meine Lieferanten. Selbst die sind beeindruckt von euch und eurer Vorgehensweise, die Produkte unter die Lupe zu nehmen.

Durch solche Internetforen werden wir Selbstrührer auch deutlich ernster genommen wie noch vor ein paar Jahren. Wir sind informierter und spiegeln das Bedürfnis nach natürlicher Hautpflege aller Verbraucher wieder. Na ja, oder fast aller. Ich glaube, nicht zuletzt aufgrund der immer größer werdenden Gemeinde der Selbstrührer, die sich einfach nicht mehr alles auf die Haut schmieren wollen, was der Markt so anbietet, ist die Naturkosmetik generell auf dem Vormarsch.

Vera, ich danke Dir ganz herzlich für dieses Gespräch und wünsche Euch beiden Powerfrauen weiter viel Erfolg bei allem, was Ihr in die Hände nehmt.

© Fotografie: Vera Alexides

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Ich bin »die Frau hinter Olionatura« und der Rührküche. Seit mehreren Jahren begeistere ich mich für das Herstellen von naturkosmetischen Pflegeprodukten, bemühe mich um neue interessante und sinnvolle Rohstoffe für uns Selbstrührer, entwickle Rezepturen und schreibe – neben Büchern – u. a. in diesem Magazin.

5 Comments

  1. Lebendig-erfrischendes und wohltuend authentisches Interview – herzlichen Dank dafür!

  2. HELGA CHROMY

    Sehr interessantes Interview, Danke.
    Mit einem „Gesicht“ dazu, ist der Shop gleich viel persönlicher, sympathisch sowieso und äusserst kundenfreundlich.

    Die erwähnten großen Gebinde – das ist sicher ein Problem.
    Ich habe keine Ahnung ob es möglich ist, aber als Österreicherin würde ich mir wünschen, wenn so große Gebinde wie 25kg mit einem Shop in Öst. geteilt würde, oder weiter verkauft.

    Vielleicht macht man das aus Konkurrenzgründen nicht, ich weiss es nicht, aber so wäre vielleicht beiden Shops geholfen.

    Viel Erfolg noch den beiden Damen :-)

    Helga

  3. vielen dank für dieses phantastische interview! und den tipp, denn ich veranstalte ja auch 1-2x im jahr einen workshop für rührwillige, die sich aber nicht „trauen“. und nun kann ich den rohstoffeinkauf von alexmo empfehlen. und dort gelich selber mal eine bestellung aufgeben :)

    liebe grüße,
    natascha

  4. sehr sympathisch! wieder einmal leute die etwas aus sich heraus tun. das spürt man schon wenn man auf euren seiten unterwegs ist.
    und die sind eine endlose wissensquelle- toll!
    danke :)

  5. 2 tolle Internetseiten und ein überaus freundliches Kundengespräche mit Frau Moritz – wie ich heute fest gestellt habe.

    OLIONATURA und aleXmo zusammen unschlagbar.

    Liebe Grüße Sabine

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